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Raucherrätsel

Sonntag früh auf dem Heimweg von einer sehr netten Party entdeckten wir am Wegesrand drei Kisten mit alten Büchern. Jeder suchte sich das zusammen, was er halbwegs interessant fand, den Rest ließen wir stehen. Die meisten Bücher waren im esoterischen Bereich zu verorten - Handauflegen, Tarotkarten, Heile Deinen Körper etc. - aber es war auch einiges nützliches dabei. So auch ein (etwas) älteres Benimmlexikon, was sich als gar nicht mal so uninteressent bzw. als sehr unterhaltsam entlarvte. Mein aktueller Lieblingsartikel ist derzeit folgender:
Nichtraucher
Nichtraucher sind dem Raucher gegenüber im Nachteil. Auch wenn sich Nichtraucher selbst die Zigarette aus vielen Gründen verkneifen, können sie dem Rauch der Raucher nicht vollends entkommen.
An dieser Stelle ist mein neuer Benimm-Ratgeber noch einigermaßen zeitgemäß. Man muss schon zugeben, dass Nichtraucher dem Raucher gegenüber immer noch im Nachteil sind: sie müssen sich schließlich - aus was für Gründen auch immer - die köstlichen Zigaretten "verkneifen". Nichraucher sind - und das ist sicher - in der Zeit seid dem Erscheinen meines neuen Schatzes kein Stück schlauer geworden. Aber lesen wir weiter.
Da ein generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit und in Gesellschaft ziemlich unwahrscheinlich ist, müssen sich Nichtraucher in das Unvermeidliche schicken.
An dieser Stelle musste ich sehr lachen! Aber das nur am Rande...
Dennoch gilt es als unhöflich, an Orten, wo das Rauchen erlaubt ist, den Rauch mit einer Hand oder Zeitung oder Serviette an sich vorüberzufächeln. Auch wer im Flugzeug keinen Nichtraucherplatz mehr buchen konnte und auf einem Raucherplatz sitzt, darf den Sitznachbarn beim Genuß des Rauchens nicht stören.
Lexika über Anstandsregeln hätte ich mir nie so lustig vorgestellt; ich werde bestimmt noch einiges hier zum Besten geben. Zudem sind sie sehr informativ: schon Norbert Elias wußte alte Benimmregeln zu nutzen, als er seine Zivilisationstheorie entwarf: man erfährt darin viel über eine bestimmte Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit. Heutzutage scheint sich auch die Welt der Knigges und Anstandslexika der Geschwindigkeit des Computerzeitalters angepasst zu haben - heute gekauft, morgen veraltet...
Die Frage lautet nun also: Was denkt ihr, aus welchem Jahr stammt mein Benimm-Lexikon, aus dem ich hier einen Artikel zitiert habe? Die Auflösung, sowie die genaue Quelle gebe ich demnächst bekannt...

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1965

 
66.67% (2 votes)
1973

 
33.33% (1 vote)
1998

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2002

Total: 100% (3 votes)

Created by nasenfahrrad on Di, 27. Nov, 02:36.
This poll was closed on Mi, 28. Nov, 03:38.

 
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Kindergarten

Gestern, auf einem schrecklichen Arbeitsabend, wurde mir in genervter Stimmung wieder mal klar, wie wichtig doch eine frühe Kindererziehung ist und wie elementar die dort vermittelten Erkenntnisse sind - das mag nicht zuletzt daran liegen, dass viele Erwachsene noch mental in den Kinderschuhen stecken.
Eine wichtige Grundregel ist bspw.: Gebe nie Dein Bestes, da man es sonst immer von Dir erwartet! Hat man sich einmal besonders viel Mühe gegeben und ein Bild besonders sorgfältig ausgeprickelt, dann konnte es in der Folgezeit schonmal passieren, dass man bei schlechteren Ergebnissen dazu genötigt wurde, einen neuen, zeitaufwendigen Versuch zu unternehmen. Man wurde fortan an seiner persönlichen Höchstleistung gemessen. Auf der Arbeit ist das ähnlich: hat man einmal eine Aufgabe besonders schnell, sorgfältig oder gut erledigt, wird man immer wieder dafür herangezogen. Auch, wenn das bedeutet, länger dazubleiben oder obwohl man gerade einen schlechten Tag hat. Ausreden sind fortan passe. Man hat sich selbst ins Abseits katapultiert.
Auch wichtig: Sei immer bei gewissen Fernsehserien auf dem laufenden! Ich weiß noch, wie blöd wir dieses Kind fanden, dass damals im Kindergarten nur dumm guckte, als wir A-Team spielen wollten. "Man muss doch auf dem Laufenden sein", dachten wir und schüttelten ungläubig mit dem Kopf. Auf dasselbe Entsetzen kann man später stoßen, wenn man auf das "Hast Du das Spiel gestern Abend gesehen? Mann, Mann, Mann,..." eines Arbeitskollegen nur dämlich grinsen und sagen kann: "Weißt Du... Fussball ist nicht so meine Welt!" - sein entgeisterter Blick sagte mehr als tausend Worte und mir wurde jener A-Team-Moment schlagartig wieder ins Bewusstsein gerufen.
Weiterhin gilt: Einige Leute mag man, andere nicht! - ganz ohne Begründungen! Völlig intuitiv konnte man sich im Kindergarten noch auf seine Menschenkenntnis verlassen. Um zu entscheiden, ob der oder die Neue Top oder Flop ist, brauchte man nur einen kurzen, meist flüchtigen Blick. Bei Erwachsenen tritt dieses Phänomen immer gerne im Suff auf, wenn bspw. jemand lallend auf jemand anderen losgeht, weil ihm sein Gesicht nicht gefällt. Mit sowas is nicht zu spassen!
Und last but not least: Lasse Deinen Frust an den anderen aus! Wenn man im Kindergarten mal schlecht drauf war, weil man bspw. eine A-Team-Folge verpasst hat oder ein Bild nochmal neu ausprickeln sollte, dann ist man einfach zum neuen, unbeliebten Kind gegangen und hat sein neuestes Lego-Gebilde zerstört. Dafür nahm man auch gerne Strafen seitens der Erzieherinnen in Kauf (wir wurden damals während der Gruppenrunde immer in den Waschraum gesperrt, um uns abzureagieren). Dies ist jedoch eine Sache, die ich inzwischen ablegen konnte. Statt meinen Frust physisch an den anderen Nervensäcken auszulassen, setze ich mich lieber an meinen Rechner und posaune in die Welt hinaus, in was für einem Kindergarten ich doch lebe! AAAAAAARRRGH!!! ;-)
 
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Geburtstag im Emsland

Ich bin gebürtiger Emsländer und mittlerweile exiliert. Mein Weg führte mich nicht weit weg, aber zumindest bin ich raus gekommen. Dieses Ziel, die bäuerlichen Wurzeln hinter uns zu lassen, um aufgeklärte Stadtmenschen zu werden, etablierte sich bei mir und meinen emsländischen Freunden in etwa ab dem 15. Lebensjahr. Bis wir 20 waren, das Abitur gemacht haben und endlich die Koffer packen konnten, um Zivildienst zu machen oder studieren zu gehen, setzten wir uns mit den gängigen Riten auseinander und schworen uns, niemals so zu werden, wie die traditionellen, stolzen Emsländer. Also bspw. niemals CDU wählen, Mitglied des Schützenvereins werden, Sonntags Kirchgang, Landjugendfeten und endlich Eigenheim mit Kindern in einem ruhigen Vorort.
Ganz besonders wollten wir niemals die merkwürdigen Saufrituale mitmachen (was nicht heißen soll, wir wären dem Alkohol abgeneigt). Schon gar nicht den Socken- bzw. Schachtelkranz zum 25. Geburtstag. Der Sockenkranz (für Männer, Frauen bekommen einen Schachtelkranz) wird von dem Freundeskreis des Geburtstagskindes zu dessen Haus getragen, auf der Strasse der Länge nach ausgebreitet und dann hat der Glückliche diesen abzuschreiten. Das sieht so aus, dass das Geburtstagskind für jeden Schritt entlang des Kranzes einen Kurzen trinken muss. Bei einer Länge von 100m und mehr kann es somit schonmal passieren, dass das "Opfer" seine eigene Party nicht mehr miterlebt und stattdessen frühzeitig schlafen geht oder den Rest des Abends in gebückter Haltung über dem Klo verbringt.
Als der Erste von uns, die wir uns ja unbedingt von all dem abgrenzen wollten, nun seinen 25. Geburtstag erlebte, dachten wir, wie lustig es doch wäre, ihm einen Sockenkranz vorbeizubringen. Nicht als Ritus, nur als Verarsche. Eine einmalige Sache halt. Das es sich tatsächlich nicht um eine einmalige Verarsche handelte, sondern wir auf dem besten Weg waren, uns in die emsländischen Traditionen einzureihen, wurde uns spätestens beim dritten Geburtstagskind bewußt: kein normales Abschreiten - das Geburtstagskind hatte dabei einen blöden Hut zu tragen oder ein Kleid, der Kranz wurde jedes Mal verlängert usw.
Heute sind wir an dem Punkt, dass nächstes Jahr die letzten von uns ihren 25. Geburtstag feiern werden. Als ich letzten Samstag für die eben beschriebene Prozedur im Emsland war, ein Freund war mal wieder an der Reihe, erfuhr ich, dass sich die Dinge nächstes Jahr ändern: da wir nächstes Jahr ein Schaltjahr haben, erhalten Männer einen Schachtel- und Frauen einen Sockenkranz. Penibler lässt sich das Ganze nun wirklich nicht mehr durchführen. An der Sache mit der Sozialisation scheint also doch was dran zu sein.
Nächstes Jahr dürften alle meine Freunde diese Erniedrigung erlebt haben - ich war übrigens 2005 dran, fragt nicht wie es war, ich hab keine Ahnung mehr. Bald wird der Erste 30 Jahre alt, aber das mit den Rathaustreppen fegen machen wir dann doch nicht mehr mit... Höchstens einmal als Verarsche!
 
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Fortan sind wir alle Verbrecher...

"Bundestag stimmt umstrittener Datenspeicherung zu", titelt die Tagesschau. Von 524 stimmten 366 Abgeordnete mit "Ja" zur Vorratsdatenspeicherung.
Aber beruhigt euch: man will keinen gläsernen Bürger, sondern lediglich einen gläsernen Verbrecher, wie Siegfried Kauder von der CDU beschwichtigend einlenkte. Es werden also nur Daten von Verbrechern gespeichert, während der unbescholtene Bürger davon verschont bleibt? Äh, ja...
Dazu, dass jeder Bürger unter Generalverdacht gestellt wird, fällt mir ein Text von Bertolt Brecht ein. Ich kann ihn zwar gerade nicht zitieren, da ich ihn so schnell nicht finden konnte, aber die Quintessenz lautet in Etwa: "Wenn die Regierung dem Volk so sehr misstraut, warum setzt sie das Volk nicht einfach ab und wählt ein neues?"
 
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Herrenhandtasche

Heute an der Supermarktkasse musste ich ziemlich lange in der Schlange warten, weil ein junger Mann (Anfang 20) sein Portemonaie nicht schnell genug aus seinem Handtäschchen gekramt hat. Ist das jetzt der neue Trend?
Herrenhandtaschen sahen früher - wenn ich mich recht erinnere - nach besseren Kulturbeuteln aus: meistens schwarz, relativ kantig gehalten, mit einer Art Lasche zum Tragen. Diese war zwar auch schwarz, doch wirkte sie auf mich, als könne sie auch von einem stylischen Schickeria-Mädel getragen werden. Das Ganze wirkte irgendwie skurril auf mich und zum Teil nervte es, weil man das Trödeln in der Schlange einem Mädel schneller verzeiht, als irgendeinem Typen.
Ich bin kein Chauvi-Schwein, das sich über irgendeinen Metrosexuellen lustig machen will, aber Herrenhandtaschen waren doch noch nie cool, oder?
 
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